Denken mit Verspätung - De - Hypnose

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Denken mit Verspätung

Wirklichkeit

Das denkende ICH hat immer Verspätung

Das Experiment von Libet

Wie schon zuvor gesagt, untersuchte Libet in seinen ursprünglichen Experimenten die zeitliche Abfolge zwischen einer einfachen Handlung, dem dazugehörigen bewussten Willensakt und der Einleitung der Handlung auf der neuronalen Ebene. Jede Versuchsperson hatte die Aufgabe, insgesamt vierzig Mal hintereinander eine einfache Handbewegung der rechten Hand auszuführen.


Den genauen Zeitpunkt der Ausführung konnten sie weitgehend frei wählen. Gleichzeitig waren sie aufgefordert, sich genau zu merken, wann sie den bewussten Wunsch verspürten, die Bewegung auszuführen.
Zu diesem Zweck sollten sie sich die Position eines Punktes merken, der sich ähnlich wie ein Sekundenzeiger mit einer Geschwindigkeit von ca. 2,5 Sekunden pro Umdrehung auf einer Art Zifferblatt bewegte.

Gleichzeitig maß Libet mittels EEG die Reaktion des Bereitschaftspotentials im Gehirn.

Dieses Bereitschaftspotential ist ein im Elektroenzephalogramm messbares negatives elektrisches Potential, das bei der Vorbereitung willentlicher Bewegungen entsteht und etwa eine Sekunde vor der Ausführung der Bewegung einsetzt. Dieses Bereitschaftspotential tritt sowohl im motorischen Gehirnareal auf, sowie in den primären und sekundären sensorischen Arealen.


Das genaue Ergebnis der Untersuchungen:
Während des Experimentes zeigte sich, dass das Bereitschaftspotential bereits 550 Millisekunden vor den ersten richtigen Muskelbewegungen auftrat, während die Angaben der Versuchspersonen, zu welchem Zeitpunkt sie zum ersten Mal den Wunsch verspürten, ihre Hand zu heben, erst 200 Millisekunden vor den ersten Muskelbewegungen stattfanden und damit etwa 350 Millisekunden nach dem Auftreten des Bereitschaftspotentials.

Libet (Libet 1985, 536) zufolge zeigt dies, dass „das unbewusste Gehirn 'entscheidet', eine Bewegung, oder zumindest die Vorbereitung einer Bewegung einzuleiten, bevor es irgendein subjektives Bewusstsein davon gibt, dass eine solche Entscheidung stattgefunden hat". Die Festlegung auf eine bestimmte Handlung wird nicht durch eine bewusste Entscheidung der Person getroffen, sondern durch einen völlig unbewussten Hirnprozess.

Das "Veto"
Zwar zeigten seine anfänglichen Experimente tatsächlich, dass wir keine Macht darüber hätten, welche Absichten aus dem Unbewussten als freier Wille getarnt auftauchten, doch wir könnten dagegen intervenieren. Libet belegte in weiteren Experimenten, dass die zwei Zehntelsekunden zwischen dem bewussten Entschluss und der Aktion ausreichten, das Veto dagegen einzulegen und die ganze Sache abzubrechen. Wenn wir schon keinen freien Willen haben, dann doch wenigstens einen freien Unwillen.

In weiterer Folge hatte Libet seine Versuchspersonen aufgefordert, die Bewegung zwar wie zuvor vorzubereiten, sie jedoch kurz vor einem festgelegten Zeitpunkt willentlich zu unterbrechen. Es stellte sich bei dieser erweiterten Versuchsreihe heraus, dass die willentliche Unterbrechung noch bis zu 100 Millisekunden vor der geplanten Ausführung möglich war. Libet stellte außerdem ein Bereitschaftspotential fest, das im Wesentlichen demjenigen in den normalen anfänglichen Versuchsdurchläufen entsprach. Libet selbst sah dadurch den freien Willen durch seine Experimente nicht endgültig vernichtet, wohl aber sehr stark eingeschränkt. Er erkannte den freien Willen lediglich die Rolle einer Veto-Instanz zu: Zwischen der Bewusstwerdung des Drangs und der Ausführung einer Handlung erkannte Libet ein Zeitfenster von mindestens 50 – 100 ms. In dieser Zeit könne der Mensch bewusst entscheiden, ob er die von den unbewussten Gehirnbereichen geplante Handlung vor der Ausführung dieser Handlung stoppt. Unser bewusster Verstand ist in dieser Auffassung mehr ein wählender, der eine Auswahl treffen kann ob er die unbewussten Entscheidungen entweder annehmen oder ablehnen möchte.

Der Streit um die Willensfreiheit bzw. um die Möglichkeit eines Vetos geht bis heute weiter. Denn die Veto-Theorie hat einen entscheidenden Schwachpunkt: Wenn einer bewussten Entscheidung eine unbewusste Hirnaktivität vorangeht, warum nicht auch Libets bewusstem Veto? Einige Wissenschafter glauben, Libet wolle durch die Vetomöglichkeit den freien Willen retten, weil er die Konsequenzen seines eigenen Experiments fürchtet.

Der dänische Wissenschaftsautor Tor Nörretranders zieht aus Libets Ergebnissen die Schlussfolgerung: "Dem Menschen wird nicht viel bewusst von dem, was er wahrnimmt; es wird ihm nicht viel bewusst von dem, was er denkt; es wird ihm nicht viel bewusst von dem, was er tut." Sowohl Libets Experimente zum freien Willen als auch die anfänglich nachgewiesene Verspätung des Bewusstseins erschüttern jedenfalls nachhaltig den Glauben an unsere Fähigkeit zur bewussten Steuerung. Wir sind oft viel weniger Herr der Lage, als wir uns gerne einbilden. Dazu fehlt in vielen Fällen auch schlicht und einfach die Zeit: "Zum Beispiel beim Tennisoder Baseballspiel muss man in Millisekunden reagieren. Da kann man nicht darüber nachdenken, was man tut", sagt Benjamin Libet. Resümee: Die meisten Entscheidungen trifft nicht unser bewusstes Ich, sondern ein größeres Selbst das Über-ICH , das vor allem aus unbewussten Komponenten besteht! Offenbar verschafft sich unser Selbst eine Art Filter, der verhindert, dass unser Tagbewusstsein mit unwichtigen, kürzeren Informationen (kürzer als eine halbe Sekunde)
überschwemmt wird. Das erlaubt anderen Hirnprozessen, die Natur einer Erfahrung zu verändern, bevor sie in unser Tagbewusstsein dringen können. Das geschieht zum Beispiel, wenn eine Erfahrung emotional aufgeladen ist oder unserem persönlichen Weltbild widerspricht.

Die Schlussfolgerung
: "Es gibt unbewusste Veränderer im Hirn, die versuchen, das Wahrgenommene mit dem, was wir schon wahrgenommen oder gelernt haben in Übereinstimmung zu bringen. Das Bewusstsein, das ICH, neigt meistens dazu, sich Entscheidungen, Berechnungen, Erkenntnisse und Reaktionen zuzuschreiben, die das Unbewusste ausgeführt hat. Das Tagbewusstsein weiß sich gern identisch mit dem ganzen ICH, dem ganzen Menschen. Doch interessanterweise fühlen wir uns am wohlsten, wenn das Tagbewusstsein den freien Willen nicht ausübt. Wirklich froh ist der Mensch, wenn das Tagbewusstsein nicht in das Geschehen eingreift. Es fühlt sich am wohlsten, wenn er nur aus dem Unbewussten handelt. Die Konsequenz: Wenn wir uns wohl fühlen, regiert zur Hauptsache nicht unser Tagbewusstsein. Spitzensportler erklären bei Interviews oft, dass sie ihre guten Leistungen nicht bewusst erbracht haben, sondern dass sie dabei gar nicht nachgedacht haben.

Wir müssen erkennen, dass wir mehr sind, als wir selbst glauben. Wir verfügen über mehr Ressourcen, als wir selbst erleben und bewusst wahrnehmen.



Unsere Forschungen im Zuge des Trainings an österreichischen Sportschützen zeigten uns, dass unser Unbewusstes nicht nur unsere Handlungen vorausplant, sondern dass es auch vorab weiß, wann ein Sportschütze seine Pistole abfeuern muss damit er das Ziel präzise trifft. Diese Untersuchungen mit Hirnpotentialfeedback zeigten, dass das Unbewusste das höhere Selbst der Sportschützen (es waren
Weltmeister und Europameister im Schießen) schon innerhalb einer Sekunde erkannte ob der Schütze mit der Waffe richtig das Ziel anvisierte.

Dem Schützen selbst war der Vorgang nicht bewusst wenn er zu stark mit seinem denkenden ICH beschäftigt war. Das Unbewusste erkannte den richtigen Augenblick des Schusses, der notwendig war das Ziel perfekt zu treffen. Im Gehirn zeigte sich in diesem speziellen Augenblick ein erhöhtes Minuspotential. Leider wurde dies vom Schützen nur unbewusst erkannt, dem Tagbewusstsein dem denkenden ICH wurde der Vorgang nicht bewusst.

Nachdem wir diesen Effekt erkannt hatten, begannen wir unsere Schützen so zu trainieren, dass sie lernten auf die kleine (bisher unbewusste) Regung zu achten, also auf das Signal des Unbewussten zu achten und den Schuss entsprechend zum Signal abzugeben. Sie mussten auf die feinen Signale „hören“ die Ihr Unbewusstes generierte, wenn der richtige Augenblick da war. Dazu wurde unter anderem eine Pistole so umgebaut, dass über den Griff die verschiedenen Körperwerte wie Muskelspannung und Hautleitwert aufgenommen werden konnten. Zuerst war es schwer die Schützen von der neuen Mentaltechnik zu überzeugen, doch nach einigem Üben waren die Ergebnisse überzeugend. Später erkannten wir, dass der gleiche Effekt auch bei anderen Präzisionssportarten wie z.B. bei Golf und Billard Anwendung finden kann. Das Unbewusste das höhere Selbst erkennt immer den richtigen Augenblick und die richtige Handlung um an das gewünschte Ziel zu kommen.


Braucht man für seine Sportart also eine extrem schnelle Reaktion, dann kommt diese nur aus dem Hier und Jetzt und nicht aus dem Tagbewusstsein, dem denkenden Ich. Das Libet-Experiment zeigt, dass bereits 300-500 Millisekunden vor einem bewussten ‘Willensakt’ ein entsprechendes Bereitschaftspotential im Gehirn zu messen ist. Dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass unser Über-ICH, unser Beobachter, vor unseren bewussten Hirnentscheidungen, also eigentlich bevor wir eine bewusste Entscheidung treffen, die eine richtige Reaktion setzen kann.


Der Libetversuch siehe unten



Wussten Sie, dass unser Unterbewusstsein 99% aller Denkvorgänge vollbringt und dabei noch sämtliche Körperaktivitäten steuert? Es ist Ihr Unterbewusstsein, das die ganzen Trilliarden Informationen „vorfiltert“, die jede Sekunde auf Sie einstürzen.

Aber es ist auch Ihr Unterbewusstsein, dass Ihnen gewisse Informationen aus der Außen- oder Innenwelt vorenthält, wenn Sie nicht dem Weltbild entsprechen, das Sie seit Ihrer frühesten Kindheit in sich herumtragen.

 
 
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